1990 versammelten die Künstler Peter Becker, Wolfgang L. Diller, Bernhard Springer und Detlef Seidensticker (Reste der ehemaligen Künstlergruppe "Neue Heimat") 4 junge KünstlerInnen im Rahmen der Ausstellung "Sklaven küsst man nicht" in der ?Galerie der Künstler? um sich.
Dieses Projekt stand ganz unter den Vorzeichen der herannahenden Medienkunst und führte in den gezeigten Installationen alte und neue Medien zusammen:
Malerei, Texte, Fotografie, Skulptur wurden vernetzt und kombiniert mit Video- und Computertechnik. Auch inhaltlich wurde medial vermittelte Realität konsequent reflektiert.
Themen und auch oft formale Mittel und Techniken sind meistens der Populärkultur entnommen und werden im künstlerischen Arbeitsprozess transformiert.
Beispiele:
- die Visuals von Peter Becker, die zuerst im Kontext der Club-Culture funktionieren, sind eine Weiterentwicklung des Videoclips mit künstlerischen Mitteln -Bezüge zur Bildenden Kunst reichen bis zur visuellen Musik des frühen 20. Jhs. zurück;
- die interaktiven 3D-Installationen von Wolfgang L. Diller zeigen Merkmale populärer Video- bzw. Computerspiele, brechen aber deren Regeln und ästhetischen Zwänge;
- Bernhard Springers Bildthemen basieren auf den Chiffren der populärsten Bildmedien wie Foto und Film - mit den Mitteln der Filmsemiotikwerden entscheidende Zeichen- und Bildsysteme künstlerisch visualisiert.
Die beteiligten KünstlerInnen sind insofern Grenzgänger zwischen Kunst und Populärkultur. Gleichzeitig stellt sich für sie Medienrealität und Medienkunst als ganz realer Alltag dar. Alte Medien wie Malerei haben nicht an Bedeutung verloren, wurden vielmehr stilistisch weiterentwickelt (Becker, Diller) oder auch präzisiert (Springer). Dasselbe gilt für die ebenfalls bereits "alte" Videokunst (Becker, Diller).
Interaktive Präsentationsformen wurden neu entwickelt (Becker in der Clubkultur, Diller mit interaktiven 3D-Präsentationen), wechselnde Kooperationen wurden und werden bis heute eingegangen.
Im Kontext dieser Kooperationen sind die Künstlerinnen Anne Bleisteiner & Heidrun Waadt (Kitchnapping), das Künstlerpaar Friederike & Uwe und die Künstlerin Aiko Okamoto zu sehen.
Waadt und Bleisteiner greifen u. a. als "Kitchnapping" thematisch das geschlechtsspezifische Rollenverhalten im Kontext "Küche" auf. Video, Installation, Fotografie und Malerei knüpfen an die Werbeästhetik an und nutzen deren ästhetische Prinzipen zur Untersuchung unserer Klischeewelt.
Bei F & U sind es Motive einer medial vermittelten Welt, die in großen Teilen mit der Warenwelt identisch ist. Diese wird in Aktionen, ?Produkten?, Videos und den sog. Pixelbildern ?verarbeitet?. Was hier so ?spassig und bunt? als Spiel mit der falschen Oberfläche oder dem falschen Inhalt daher kommt, ist natürlich doppelbödig: die Pixelbilder benutzen z. B. ein industriell geschaffenes und vermarktetes Bilderzeugungssystem für die Kunstproduktion, und schrecken dabei vor keinem Genre zurück....
Aiko Okamoto ist Studentin bei Peter Becker und erweitert die Zeichnung gleich mehrfach: Bildträger sind nicht nur Papiere, sondern sie plaziert ihre comicartigen Portraitzeichnungen ?überall?, im öffentlichen Raum genauso wie auf Monitoren oder in Videoprojektionen.










